Worte, die weh tun

Dieses Jahr mußte ich bei Twitter viele DMs und Tweets lesen, die mir weh getan haben, sehr weh sogar.

Ende Juni fing es an. Derjenige, der einige Tage lang so getan hatte, als ob er meine Gefühle erwidert, schrieb mir in einer DM „Ich kann nicht sein, was Du Dir wünschst.“ Aber Freundschaft konnte er sich angeblich vorstellen. Es fiel mir schwer, es tat mir unendlich weh, aber ich ließ mich darauf ein, nur um kurz danach sinngemäß zu lesen, daß die Gegenseitigkeit in Gesprächen aber auch bei Gesprächsanfängen eine zu hohe Erwartung sei. Ich schluckte sehr schwer. Es folgte noch ein weiterer Tweet, der mich sehr verletzt hat. Man kann das ausführlich in meinen Blogbeiträgen vom Monat November nachlesen.

Natürlich gab es von vielen – gerade auch über Twitter – tröstende Worte. Aber tröstende Worte nehmen nicht den Schmerz, heilen keine Wunden und vertreiben auch nicht die dunklen Gedanken. Relativ früh hatte ich das Gefühl, daß ich es mit dem Thema „Liebe und Beziehung“ nicht mehr probieren wollte. Ich glaube nicht, daß irgendjemand das im Sommer verstehen konnte. Immer wieder bekam ich – den durchaus lieb gemeinten – Hinweis „bleib offen“. Ich wollte aber nicht „offen bleiben“, im Gegenteil! Irgendwann habe ich mir die Frage gestellt, warum mir diese Geschichte so wahnsinnig weh tut und warum ich es einfach nicht mehr probieren möchte und ich mußte mir eingestehen, daß es in meinem Erwachsenenleben nie „Liebe/Beziehung“ gab. Es gab nie jemanden, der zu mir „ja“ gesagt hat, es gab nie jemanden, dem ich im Bereich „Liebe/Beziehung“ wichtig war, es gab immer nur Abweisungen und Verletzungen. Wenn ich von Abweisungen und Verletzungen spreche, dann meine ich auch nicht die Situation, daß man einseitig für einen anderen Menschen mehr empfindet, der aber selber gar kein Interesse hat. Ich meine tatsächlich Abweisungen und Verletzungen aus einer zumindest kurzen tatsächlichen oder behaupteten Gegenseitigkeit.

Die Erkenntnis tat weh, sehr weh. Sie fiel mit meiner Twitterauszeit im September und Oktober zusammen und ich habe sehr viel nachgedacht, gegrübelt, gezweifelt, geweint. Ich habe mich gefragt, ob es an mir liegt? Ob ich etwas in meinem Leben falsch gemacht habe? Aber diese Fragen waren nicht hilfreich. Die Vergangenheit kann ich nicht ändern und für die Zukunft haben sie keine Bedeutung, keine Bedeutung mehr.
Ich habe unter den Abweisungen und Verletzungen in diesem Jahr sehr gelitten. Vermutlich hat das mehr mit mir zu tun als mit demjenigen, der mich abgewiesen und verletzt hat. Aber so nach und nach haben sich für mich einige Aspekte herauskristallisiert:

*ich hätte gerne in meinem Leben „Liebe und Beziehung“ erlebt, aber es sollte nicht sein.
*ich habe keinen Mut, es noch einmal zu probieren – eben weil es nie eine Sicherheit geben kann, daß in einem Moment der (behaupteten) Gegenseitigkeit nicht doch eine weitere Abweisung/Verletzung erfolgt.
*nach 100% Abweisungen und Verletzungen habe ich auch keine Hoffnung mehr, daß es jemals anders sein könnte. Warum auch? Meine 100%-Quote ist durchaus eindrucksvoll!
*ich habe Angst, bei einer weiteren Abweisung/Verletzung zu zerbrechen.

Ich habe mich entschlossen, mit diesem für mich sehr schmerzhaften Thema offen umzugehen. Daher schrieb ich gestern – angeregt von einem (von mir auch zitierten) Tweet von Dunja Voos – einen Tweet mit folgendem Text:
„So geht es mir mit dem Thema „Liebe/Beziehung“. Wann ich diesen Gedanken wohl wieder loswerde?“

Dieser Tweet löste – mal wieder – ein ausführliches Gespräch aus. Ich weiß aus einigen anderen Gesprächen, daß Menschen meine Gedanken nicht nachvollziehen können. Das ist auch völlig in Ordnung so. Wer irgendwann in seinem Leben eine positive Erfahrung gemacht hat, wird immer eher denken, daß es „wieder“ gut werden kann. Mir fehlt diese positive Erfahrung!
Ich sehe auch durchaus, daß Menschen, die sich zum Thema äußern, mir „helfen“ wollen, daß sie etwas Gutes und Schönes im Sinn haben. Allerdings entwickelte sich dieses Gespräch dann in eine Richtung, die mir wiederum sehr weh getan hat. Ausgangspunkt meines Tweets war ganz deutlich das Thema „Liebe/Beziehung“. Das Gespräch war – bis zu einem bestimmten Punkt durchaus gut, auch wenn es für mich keinen Grund gab meine – auf schmerzlichen Erfahrungen basierende – Meinung zu ändern. Noch harmlos war der Vorwurf, daß es nur an meiner Einstellung liegt. Ich schrieb zunächst:
„Ich weiß, daß Deine Anregungen (so wie die vieler anderer) lieb gemeint sind u ich freue mich über die Mühe, die Du Dir damit machst. Aber wenn es wieder schiefgehen würde (u das ist sehr wahrscheinlich), stehe ich wieder ganz alleine vor den Scherben u niemand kann mir helfen.“
Darauf erhielt ich die Antwort:
„Das Leben ist keine mathematische Folge oder es handelt sich auch nicht um eine Beweisführung mit der vollständigen Induktion.
Jedes „Scheitern“ der Vergangenheit hat keine direkte Konsequenz auf einen neuen, unabhängigen Versuch in der Zukunft.
Außer durch deine Einstellung.“
Ja, das kann man so sehen, ich sehe das halt anders.

Dann wurden mir – unter meinem Tweet zum Thema „Liebe /Beziehung“ Selbstbezogenheit, Nichtbeachtung des Gegenübers, Monolog, Kälte und Interesselosigkeit vorgeworfen. Warum? Weil ich – trotz aller Argumente – nicht den Sinn sah, es noch einmal zu probieren.

Am schlimmsten fand ich den Vorwurf fehlenden Mitleids, der auch hier zum Tragen kam. Das tat wirklich weh. Was hat der Umgang mit dem frühen oder besonders schmerzhaften Verlust von Eltern bei anderen Menschen mit meinem Tweetthema zu tun? Warum müßte mein Mitgefühl mit dem Leid anderer Menschen dazu führen, daß ich meine Meinung ändere und immer wieder etwas versuche, was in meinem Leben nie gut war und was dazu führen könnte, daß ich zerbreche?

Der letzte Teil dieses Gesprächs hat mir sehr weh getan! Ich verlange nicht, daß irgendjemand mich versteht. Ich verlange auch nicht, daß irgendjemand meine Meinung teilt. Ich gehe nicht einmal davon aus, daß irgendjemand Mitleid mit mir haben muß. Ich bin durchaus bereit, die Ansichten anderer Menschen zu lesen und anzuhören. Ich denke auch über die Ansichten, die in solchen Gesprächen geäußert werden nach. Niemand muß mich mögen, niemand muß mich sympathisch finden. Aber diese Vorwürfe, weil ich meine Meinung zu einem für mich sehr schmerzhaften Thema nicht ändere?
Nein, wirklich nein. Ich bin froh, daß es mir mittlerweile so gut geht, daß ich den letzten Teil dieses Gesprächs nicht persönlich nehme. Weh getan haben mir diese Worte trotzdem – eben auch, weil sie keinerlei hilfreichen Inhalt hatten. Sie haben mich nur verletzt, sie haben mich nicht nachdenklich gemacht! Schade, nicht wahr?

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