Der gerissene Gesprächsfaden

Ich bin gescheitert. Schon wieder. Und in einem gewissen Sinne ist dies die Fortsetzung von „Wie offen darf es sein“. Dort berichtete ich vor kurzem, wie ich mit meinem Gefühl der Verliebtheit gescheitert bin. Er sagte damals, er wünsche sich Freundschaft mit mir. Ich habe einige fürchterliche Tage (und schlaflos durchtwitterte Nächte) zugebracht. Wer meine Tweets in der Zeit vom 23.06.2018 bis zum 01.07.2018 mitverfolgt hat (oder jetzt nachliest) wird das bestätigen können. Aber ab dem Sonntagnachmittag ging es mir besser und ich war – entgegen meiner „üblichen“ Vorgehensweise – bereit, mich auf das Experiment Freundschaft einzulassen.

Freundschaft braucht Gespräche
Es klingt fürchterlich banal, wenn ich hier schreibe, dass Freundschaft Gespräche braucht. Das, was so einfach und banal klingt, war für mich in der Zeit ab dem 23.06.2018 die größte Hürde. Aus einem persönlichen Treffen in Hamburg hatten sich wunderbare DM-Gespräche entwickelt. Wunderbar deshalb, weil diese Gespräche eine geradezu spielerische Leichtigkeit und Themenvielfalt hatten, die mir so noch nicht begegnet ist. Ich hatte das Gefühl mit einem Menschen zu sprechen, der eine wunderbare Seele hat – es war das Gefühl, einer verwandten Seele begegnet zu sein. Und irgendwann schlich sich (ohne dass ich es sofort bemerkt habe) ein Gefühl der Vertrautheit und Verliebtheit ein. Ja, großer Fehler und leider einseitig. Ich habe in den letzten Wochen einen ziemlich hohen Preis dafür gezahlt, dass ich mir meine Gefühle eingestanden habe und auch ihm gegenüber ehrlich war.

Der Inhalt der Gespräche hatte – bis auf minimale Ausnahmen – nie etwas mit diesen Gefühlen zu tun. Eine Freundschaft hätte also auf der Basis dieser spielerisch leichten und guten Gespräche ansetzen können. Wenn es da nicht die Schere im Kopf gegeben hätte…..

Die Schere im Kopf
Ja, die Schere im Kopf. Mit sehr vielen Menschen kann ich auch jetzt locker und leicht plaudern, witzige Gespräche und Diskussionen führen. Aber ihm eine DM zu schreiben war nicht nur schwierig, es war regelrecht eine Qual. Mein innerer Zensor nahm jede angedachte DM präzise auseinander. Zu unwichtig, das interessiert ihn nicht, das geht ihn nichts, warum willst Du ihm das schreiben…… sind nur eine kleine Auswahl der vielen Antworten meines Zensors. Mit jedem Tag wurde es schwieriger, irgendwie überhaupt im Gespräch zu bleiben. Eine Information zu Kafka nach dem Besuch einer Lesung – ja, das ging und daraus entspann sich auch ein kurzes und durchaus gutes Gespräch, an einem anderen Tag eine Information über ein absolut lesenswertes Buch, das ich an dem Tag selbst gelesen hatte – ja, ging für meinen Zensor, führte jedoch nicht zu einem Gespräch. Ich merkte, dass es mir jeden Tag schwerer fiel, im Gespräch zu bleiben. Gleichzeitig wußte und fühlte ich, dass ich einen einmal gerissenen Gesprächsfaden nicht wieder aufnehmen könnte. Ich behalf mir daher mit „nichtssagenden“ Guten-Morgen- und Gute-Nacht-DMs. Und mit nichtssagend meine ich, dass ich an vielen Tagen tatsächlich nur „Guten Morgen“ oder „Gute Nacht“ in die DM geschrieben habe. Mal kamen Antworten, mal nicht, selten kamen kurze Gespräche zustande.

Die Glaswand
Im öffentlichen Bereich von Twitter erlebte ich seine Tweets so eloquent wie eh und je. Nur im DM-Austausch mit mir kam es nicht mehr zu den spielerisch leichten und fröhlichen Gesprächen. Als ich während meiner kurzen Pause (kleiner Kurzurlaub) darüber nachdachte, fiel mir das Buch „Die Wand“ von Marlene Haushofer ein. Die Ich-Erzählerin stellt in der Geschichte fest, dass sie durch eine Glaswand von der restlichen Welt abgetrennt ist, sie muss ab diesem Moment ganz alleine zurechtkommen. So drastisch ist meine Situation glücklicherweise nicht – aber zwischen ihm und mir und befindet sich eine Glaswand, die für mich mittlerweile völlig undurchdringlich geworden ist. Ich plauderte (außerhalb der kurzen Pause) mit vielen Menschen, wenn ich ihn konkret „ansprach“ (sozusagen mit einer DM oder einem Tweet in dem er namentlich erwähnt war an die Glasscheibe klopfte) kam es gelegentlich noch zu einem Austausch, aber eher im öffentlichen Bereich von Twitter mit anderen zusammen, immer seltener als DM-Gespräch. Ich merkte zusehends, dass er mich nie von sich aus ansprach und dass, obwohl er den Wunsch nach Freundschaft geäußert hatte.

Der Riss
Es kam, wie es wohl kommen mußte, der Gesprächsfaden riss. Letztlich war es ein kleiner Tropfen, der bei mir das Fass zum Überlaufen und den Gesprächsfaden zum Reissen brachte. An einem Sonntagmorgen hatte ich mich überwunden ihn zu fragen, was er denn an dem Tag vorhabe. Ja, ich bekam eine kurze Antwort. Es kam aber kein „Und Du?“ und so erzählte ich nichts von meinen Plänen für den Tag. Ich ging an diesem Tag in Düsseldorf in die Ausstellung „Black & White“ und in der (grauen) Installation von Hans Op De Beek wurde mir bewußt, daß ich die Kommunikation mit ihm als einseitig, kalt und völlig desinteressiert empfand. Ich habe die Kommunikation mit einem Menschen, der von sich selbst behauptet, sich eine Freundschaft mit mir zu wünschen, noch nie als so kalt, abweisend, einseitig und desinteressiert empfunden. Und es war so völlig anders als in der Zeit nach dem Treffen in Hamburg.
Da stand ich nun in diesem grauen Zimmer und dachte über graue Kommunikation nach. Mir wurde klar, dass ich keine DMs mehr schreiben wollte – wozu auch, wenn daraus ohnehin kein gutes Gespräch entsteht.
Am folgenden Tag habe ich meine Erkenntnis in einem öffentlichen Tweet mit folgenden Worten zusammengefasst:

„Erkenntnis des Wochenendes: Freundschaft kann nur da entstehen/wachsen, wo beide ein ehrliches Interesse am Leben des anderen haben und zeigen. Einseitigkeit tötet den Gedanken der Freundschaft, dann ist es bestenfalls lose Bekanntschaft, wenn man sich zufällig (zB hier) begegnet.“

Das letzte DM-Gespräch
In diesem Tweet (der auch zu einem spannende Gespräch mit einem anderen Twitterer führte) lag nicht nur meine Erkenntnis, sondern auch meine „Handlungsentscheidung“. Ich habe ihm diesen Tweet zwei Tage später in einer DM verlinkt und daraus ergab sich ein letztes trauriges Gespräch. Er sprach von unterschiedlichen Bedürfnissen, fühlte sich anscheinend völlig mißverstanden und bat mich seine Bedürfnisse (die er vorher nie formuliert hätte) nach wenig Kummunikation/Reaktion zu akzeptieren. Ja, auch ich fühlte mich völlig mißverstanden – und zwar von ihm. Ich hatte tatsächlich gehofft, eine Freundschaft aufbauen zu können.

Und nun?
Nullpunkt. Schweigen, und zwar völliges Schweigen. Ja, ich weiß – von einem Nullpunkt aus kann sich zumindest theoretisch auch wieder ein Kontakt entwickeln. Aber es ist paradoxerweise so, dass ich nichts einfach so von mir erzählen möchte und er nichts fragen wird. So werden wir im Schweigen verharren und vielleicht kann man dann irgendwann ergänzen „und wenn sie nicht gestorben sind, dann schweigen sie noch heute“.
Ich weiß nicht einmal, ob ich dieses Schweigen möchte, ich weiß nur, dass ich es nicht durchbrechen kann – das ist einer der wenigen Punkte, wo ich nicht aus meiner Haut heraus kann…. Ich weiß nicht einmal, ob ich ihn überhaupt auf diesen Beitrag hinweisen werde.

Warum ich das alles schreibe? Vielleicht liest er das und kann dann wenigstens meine Reaktionen verstehen und vielleicht ist es für den einen oder anderen Leser ja auch einfach so interessant.

Anmerkung: Links werden nach der kurzen Pause ergänzt.

Twitternde Bildungsbürger?

Meine Twittertimeline ist – glücklicherweise – bunt gemischt. Es gibt Menschen, die sich im Moment über politische Themen austauschen (und durchaus auch aufregen); es gibt Menschen, die sich in vielfältiger Weise in Projekten engagieren und darüber berichten; es gibt Menschen, die ihre Social-Media- oder auch Gründungserfahrungen teilen; es gibt Menschen, die über kulturelle Themen twittern und es gibt Menschen (wie zum Beispiel mich), die sich gerne in Diskussionen zu Büchern und Literatur tummeln. Aus einer solchen Diskussion – einem ziemlich langen Thread – entstand eine Diskussion über „Bildungsbürger“, ein Begriff der mich stört und den ich ablehne.

Der Ausgangspunkt ……
Ausgangspunkt war am 4. Juli dieser Thread: ich hatte einen Tweet retweetet und daraus ergab sich eine Diskussion über gute Autoren zwischen mir, dem @itbeobachter, dem @pjakobs und später noch @dknake. Im Verlauf des Threads landeten wir über eine „Auflistung“ guter Autoren, der Suche nach einer Autorin (Marianne von Willemer, die ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht kannte), Fässern („willst Du dieses Faß auch noch aufmachen“) schließlich beim Lateinlernen und bei Ovid (genauer den Metamorphosen des Ovid). Es war eine nette kleine Diskussion unter Menschen, die anscheinend gerne lesen.
Aufgrund der Diskussion habe ich mir mehrere Bücher bestellt – eine Sammlung von lustigen Gedichten, zwei Kriminalromane, die mir per DM vom @itbeobachter empfohlen wurden und die Metamorphosen des Ovid in der Übersetzung von Johann Heinrich Voß (ich wollte es nicht online lesen). Aus meinem Tweet über die Bestellung ergab sich dann wieder ein längerer Thread über gute Literatur unbedingt zu lesende lateinische Werke (in deutscher Sprache), in dem @pjakobs plötzlich einen Satz äußerte, der mich massiv störte und verstörte, nämlich: „Gott was sind wir doch für Bildungsbürger“.

Ich eine Bildungsbürgerin?
Ich ließ den Satz in dem Thread einen Moment sacken und dachte sofort: nein, das bin ich nicht. Ich bin keine Bildungsbürgerin. Alles in mir stellte sich bei dem Gedanken quer. Nicht, daß ich nicht an Bildung interessiert bin – im Gegenteil. Ich finde die Idee, ein Leben lang zu lernen, großartig und ich glaube ich, daß ich das tatsächlich lebe. Ich lese viele Bücher – Sachbücher genauso wie Romane, Theaterstücke genauso wie Essays. Ich gehe gerne und im Moment auch relativ oft ins Theater, ich besuche Ausstellungen und ich informiere mich über viele Themen. Aber Bildungsbürgerin? Nein, etwas in mir sperrte sich ganz stark.
Ich habe es später in dem Thread für mich wie folgt formuliert: „Belesen ja, neugierig ja, halbwegs gebildet ja, vielfältig interessiert ja – das sind meine Ziele!“
Der eine oder die andere mag das durchaus als „Bildungsbürgertum“ verstehen, für mich ist das aber etwas anderes. Schon aufgrund meiner Herkunft paßt der Begriff „Bildungsbürgertum“ nicht. Meine Mutter war ungelernte Arbeiterin – sie hat mich immer unterstützt, wenn es um Bildung ging – und dementsprechend sind viele „klassische“ Bücher erst bei uns „eingezogen“, als ich diese haben wollte. In den Regalen im Wohnzimmer standen Werke von Konsalik, die mein Vater gerne las und ein paar Bücher aus dem Bertelsmann Club Sortiment. Außer den typischen Kinderbüchern (zum Beispiel Märchen von den Gebrüdern Grimm und Hans Christian Andersen) – die ich natürlich geschenkt bekam – zogen erst mit meinen ersten ausgeprägten Lesewünschen „Klassiker“ bei uns (beziehungsweise in meinem Bücherregal) ein.
Irgendwann in den späten siebziger Jahren wurde die Verfilmung des Buches „David Copperfield“ von Charles Dickens als weihnachtlicher Mehrteiler gezeigt. Wie habe ich diesen Film geliebt! Und wie habe ich mich gefreut, als ich dann zum nächsten Geburtstag von meinen Eltern das Buch geschenkt bekam. Ich habe es in den Jahrzehnten, seitdem ich es geschenkt bekam, x-fach gelesen und der Bucheinband zeigt (obwohl ich immer sehr pfleglich damit umgegangen bin) deutliche Gebrauchsspuren. So kam Charles Dickens als erster Klassiker in mein Leben. Goethe, Schiller und Shakespeare kamen erst später dazu, dazwischen schaffte es noch Theodor Storm mein Herz zu erobern und nahm mit einer mehrbändigen Ausgabe seinen Platz im Regal ein.
Heute ist im Regal kaum noch Platz (nein, das ist die Untertreibung – viele meiner Bücher sind im Moment ausgelagert und ich habe viele erst vor kurzem aus ihrem Karton-Zwischenlager befreit und in ein Regal gesteckt). Ja, heute würde ich durchaus sagen, daß ich belesen bin und man findet viele Klassiker unter diesen Werken. Aber damals – damals waren die Voraussetzungen anders und ich habe meine „Lesewelt“ nach und nach erst aufgebaut.

Kommt es nicht auf die Entwicklung an?
Meine Ablehnung des Begriffs „Bildungsbürger“ konterte @pjakobs mit dem Einwand, daß wir alle uns ja seit der Schulzeit entwickelt haben. Das ist sicherlich richtig und ich würde für mich durchaus in Anspruch nehmen, daß ich mich gerade in den letzten drei Jahrzehnten (ja, solange ist die Schulzeit schon her) sehr stark entwickelt habe – in meinen Interessen, in den Büchern, die ich lese aber auch ganz allgemein in meiner Persönlichkeit. Ich bin nicht mehr die Astrid, die 1988 das Abitur gemacht hat und dann nach Köln an die Uni gegangen ist. Aber manche Dinge ändern sich trotzdem nicht. Ich kann und will meine Herkunft weder ablegen noch verleugnen, zu manchen Dingen oder Themen fehlt mir manchmal auch der Zugang, weil es nicht zu meinem Alltag gehörte. Menschliche Entwicklung ist wichtig – sehr wichtig sogar – aber sie macht aus einem neugierigen und interessierten Menschen eben auch noch keinen Bildungsbürger – finde ich zumindest.

Warum mich der Begriff „Bildungsbürger“ stört
Für mich hat der Begriff „Bildungsbürger“ etwas Trennendes und Ausschließendes – es gibt die Menschen, die mit einem bildungsbürgerlichen Alltag in einem bildungsbürgerlichen Haushalt aufgewachsen sind. Das ist schön und ich möchte das auch gar nicht negativ bewerten. Aber es gibt auch „die anderen“ und zu diesen anderen gehöre ich. Es macht mich betroffen, daß mein Lernen und meine Entwicklung einfach nur ein „jetzt bist Du auch auf der Stufe der Bildungsbürger angekommen“ darstellen sollen. Ich werde in diesem Moment nicht um meiner selbst oder aufgrund meiner Lernanstrengungen und Lernerfolge „gewürdigt“, sondern nur, weil ich – endlich – einem vermeintlichen Bildungsideal entspreche (nein, ich entspreche diesem Ideal nicht – ganz und gar nicht). Es ist irgendwie die falsche Anerkennung für das falsche Ziel oder das falsche Bild von mir. Und ja, das stört mich – weil die Offenheit für unterschiedliche Lebenswege und unterschiedliche Interessen fehlt.

Und Ihr?
Wie seht Ihr das? Seht Ihr Euch als Bildungsbürger? Könnt Ihr mit dem Begriff etwas anfangen? Ich bin neugierig und würde mich freuen, Eure Ansicht zu diesem Thema hier oder bei Twitter zu lesen!

Wie kommen wir ins Gespräch?

Manchmal gibt es sie – die guten Gespräche – im „analogen“ Leben aber auch auf Twitter. Und manchmal versuchen wir alles Mögliche, um ein Gespräch zu beginnen und es klappt nicht. Kommunikation ist – so selbstverständlich sie zum menschlichen Leben gehört – immer schwierig. Nicht umsonst gibt es im Moment in Hannover sogar eine Sonderausstellung zu diesem Thema – noch bis zum 19.09.2018.

Ein Gespräch – ja will ich das denn?
Es gibt – online wie offline – durchaus Momente, ich denen ich kein Gespräch führen möchte. Manchmal bin ich einfach zu müde (besonders am frühen Morgen), manchmal kreisen meine Gedanken um ein Problem, manchmal möchte ich auch einfach nur meine täglichen drei Seiten schreiben oder etwas in Ruhe lesen. Das sind durchaus Momente, in denen ich gerne bei Twitter „hereinschaue“ – aber halt eher lesend und konsumierend. Selten schafft man in diesen Momenten, mich in ein Gespräch zu ziehen. Wer es trotzdem versucht (vor allem im analogen Bereich) wird dann möglicherweise auf wenig begeisterte Reaktionen treffen. Gespräche abblocken kann ich eigentlich ganz gut – meist auch halbwegs freundlich. Andererseits kann man mich manchmal (ja, ok, meistens) mit interessanten Themen oder Fragen ganz schnell ködern ………

In den letzten Jahren habe ich analog und digital viele interessante Gespräche geführt. Analog zum Beispiel mit BusfahrerInnen (ich wohne an einer Endhaltestelle, da ergibt sich das öfter mal), mit MitarbeiterInnen meines Lieblingssupermarktes (ich wurde nach dem Tod meiner Mutter sogar umarmt und es tat gut) und mit Menschen, die mit mir an Haltestellen warteten. Digital – also für mich vor allem auf Twitter – gab es die witzigen Gespräche (so zum Beispiel den „Ameisenthread“ mit @pjakobs, den ü50-Thread mit @itbeobachter und @pixelkurier, der Musikthread mit @karin1210) und die vielen ernsthaften Gespräche – zum Teil im offenen Bereich, zum Teil per DM, aus denen sich sogar kleine „Projekte“ ergaben, so zum Beispiel das Twittertreffen in Trier mit @thalestria und @mariohanneken und das Fragencafe mit @kontermann. Einzelne kleine oder größere Gespräche, die für sich genommen oft nicht wirklich wichtig waren, sich zufällig ergaben und doch gut waren. Meistens nehme ich mir tatsächlich (und sehr gerne) die Zeit, diese Gespräche zu führen …..

Jeder Tweet ist ein potentieller Gesprächsanlaß!
Ich möchte mich im Folgenden auf „meine Gespräche“ bei Twitter beschränken – eine sehr allgemeine Betrachtung würde ich wohl nicht so schnell in einem einzigen Blogbeitrag unterbringen. In einem kleinen Twittergespräch mit @karin1210 habe ich vor ein paar Tagen geschrieben, daß für mich jeder Tweet ein potentieller Kommunikationsanlaß ist. Das heißt natürlich nicht, daß ich jeden Tweet aufgreife – aber wenn ich ein Gespräch suche, dann schaue ich nach Tweets, die mich zu einer Frage oder einer Antwort anregen. Und klar, je mehr interessanten Menschen man folgt, desto mehr potentielle Gesprächsanlässe finden sich in der Timeline. Ich glaube schon, daß es leichter ist, Gespräche zu führen, wenn man einer größeren Menge an Menschen folgt. Dementsprechend folge ich auch viel mehr Menschen als mir folgen. Twitter hat gerade den Vorteil, daß „Zweiseitigkeit“ nicht Voraussetzung von Gesprächen ist.

Der erste Schritt….
Gespräche entstehen nicht deshalb, weil Menschen sich – zufällig – am selben Ort befinden. Ein Mensch muß immer irgendwie den Anfang machen. Und auch wenn jeder Tweet ein potentieller Gesprächsanlaß ist, so führt eben nicht jeder Tweet zu einem Gespräch. Es ist immer noch „erforderlich“, daß jemand den Tweet aufgreift und daduch ein Gespräch entsteht.
Ganz am Anfang meiner aktiven Twitterzeit habe ich mich oft bei Menschen, denen ich folgte, für Links bedankt, habe ihnen Fragen gestellt (im Sinne von „wo kann man das nachlesen“) und habe sie auch retweetet. Daraus haben sich erste Gespräche und beidseitige Kontakte ergeben.
Hilfreich waren auch die vielen „Livetweets“ von Veranstaltungen – Konferenzen, Barcamps, Twittwoche – Menschen haben oft auf die Tweets von diesen Veranstaltungen reagiert und wir sind über die Themen ins Gespräch gekommen.
Was ich relativ oft mache: „Gesundheitstweets“ sind für mich in der Regel (vor allem bei Menschen, denen ich schon länger folge oder die ich persönlich kenne) ein wichtiger Hinweis, wie es dem-/derjenigen geht. Meistens nehme ich mir daher die Zeit, ein kurzes „gute Besserung“ oder „alles Gute“ bei Krankheiten, Zahnarztbesuchen etc. zu schreiben. Solche Antworten erwarten die Menschen, die solche Nachrichten twittern, vielleicht gar nicht – aber ich finde es auch schön, wenn jemand mir in nicht ganz so schönen oder gar schwierigen Seiten per Tweet zur Seite steht und mir alles Gute wünscht. Ich habe durchaus den Eindruck, daß solche Antworten zumindest für den Moment ein Gefühl der menschlichen Nähe und Verbindung aufbauen. Und was können wir mit einem Tweet mehr ereichen?

In laufende Gespräche einsteigen ….
Eine weitere Möglichkeit, auf die Ruth am Sonntag hingewiesen hat, ist auch in laufende Twittergespräche einzusteigen. Das habe ich natürlich auch oft gemacht (bin ich jetzt eine Twittergesprächscrasherin?). Die Ergebnisse waren sehr unterschiedlich. Manche dieser Seiteneinstiege haben zu wunderbaren Threads und Folgekontakten geführt – vor allem da, wo ich zumindest einen der „Gesprächspartner“ bereits „kannte“ (es also bereits einen Kontakt auf Twitter gab, der über ein bloßes „ich folge Dir schon“ hinausging), manche Gespräche versandeten, manchmal wurden Gespräche trotzdem ohne mich weitergeführt. Das fühlt sich in dem Moment natürlich nicht toll an, aber man muß sich immer vor Augen halten, daß man selbst ja auch nicht immer mit allen möglichen Menschen sprechen möchte. Wenn mir das mehrfach passiert, dann weiß ich das ich den entsprechenden Personen halt nur lesend folge und das ist dann auch ok.

Mit eigenen Tweets Gespräche anregen…..
Es ist schon merkwürdig. Manche Tweets, die ich schreibe, finde ich fürchterlich wichtig, ich warte sehnsüchtig vor dem Monitor oder dem Handy und ….. nichts passiert. Absolut nichts. Es sind oft die Tweets, die ich persönlich „nervig“, „unwichtig“ oder sogar „schlecht“ finde, auf die die meisten Reaktionen erfolgen. Und ja, je mehr ich schreibe, desto mehr Reaktionen bekomme ich auch insgesamt. Twitter ist ein schnelles Medium. Ein einzelner Tweet geht da schnell unter, oft sind es „Zufallsfunde“, auf die ich selbst reagiere und die dann wiederum zu Gesprächen führen. Wenn mir ein Thema wirklich sehr sehr wichtig ist, dann wiederhole ich das Thema auch nochmal in einem anderen Tweet oder packe es sogar in einen Blogbeitrag. Fragen führen oft, aber nicht immer zu Reaktionen. Oft hängt es an völlig willkürlichen Kriterien wie Tageszeit, Wetter, parallel stattfindende politische Ereignisse, TV-Programm ….. Die wichtigste Erkenntnis ist daher: nicht aufgeben, immer wieder versuchen! Nicht nur für Twitter gilt: steter Tropfen höhlt den Stein!

Was ich underwiderstehlich finde ……
Tweets mit Wortspielereien, mit feiner Selbstironie und Humor, mit kulturell spannenden Themen (z.B. Bücher oder Theater) und mit guten Fragen erobern meine Seele im Sturm – da bin ich sofort dabei! Etwas schwieriger sind politische oder rechtliche Diskussionen. Da lese ich oft eher mit als selbst zu antworten. Gerade aus Tweets zu Wortspielereien oder aus humorvollen und ironischen Tweets haben sich wunderbare Kontakte und Gespräche entwickelt, die ich nicht missen möchte. In meiner Timeline sind glücklicherweise sehr viele Menschen vertreten, die Wortspiele und Ironie mindestens ebenso schätzen wie ich! Welche Bereicherung für meine Timeline und mein Leben!

Und an die vielen lieben, humorvollen, ironischen und interessanten Menschen aus meiner Timeline, die ich hier nicht explizit erwähnt habe: ich danke Euch allen für 9 Jahre wunderbare Twittergespräche und Twitterkontakte!

Und wie kommt Ihr ins Gespräch?
Ich bin ja sehr neugierig ….. Daher möchte ich am Ende dieses Beitrags von Euch wissen, wie Ihr mit Menschen auf Twitter ins Gespräch kommt? Was „funktioniert“ gut, was macht ihr gerne, was klappt nicht? Was ist wichtig, damit es zu guten Gesprächen kommt?
Ja, das sind viele Fragen – aber ich möchte mein „Twitter“ in dem Gesprächskultur wichtiger als Polarisierung ist, gerne bewahren und dazu gehört das Teilen der guten Erfahrungen!

Kann denn Lesen Hobby sein?

Manchmal kommen Themen, die mich interessieren, auf ganz spannende Weise „zusammen“.
Schon seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit „Fragen“ – vor allem mit guten Fragen, die Gespräche eröffnen und ermöglichen, die Nachdenken erlauben und einfordern.
Mittlerweile stoße ich auch immer wieder auf den Gedanken/die Frage, ob wir uns zu sehr mit (vermeintlich) „gewinnbringenden“ Dingen beschäftigen und wie das uns und unsere Gesellschaft prägt. Dazu passend habe ich vor ein paar Tagen begonnen das Buch „Von der Nützlichkeit des Unnützen“ (Untertitel: Warum Philosophie und Literatur lebenswichtig sind) von Nuccio Ordine zu lesen. In diesem Buch stellt Nuccio Ordine anhand von vielen literarischen und philosophischen Beispielen die Gedanken der „Nützlichkeit“ und der „Zielorientierung“ in Frage. Ein sehr spannendes Buch. Man kann sich leicht vorstellen, daß mich gestern die nachfolgenden Tweets sofort zu einer Antwort „reizten“:

Ausgangstweet: Kann man (heute) ein Hobby haben, das man nur seiner selbst wegen ausführt und nicht wegen Erfolg oder Anerkennung? Und ist das sinnvoll?

Zweiter Tweet: Ich frage, weil mir keines einfällt, das nicht wenigstens durch ein wenig Drang nach Anerkennung motiviert ist.

Dritter Tweet: Selbst gelesene Bücher landen häufig im Bücherregal für alle sichtbar. Man redet/bloggt über zuletzt gelesene Bücher.

Hier war sie – die spannende Frage! Und ich habe sofort mit einer Gegenfrage geantwortet:

Mein Antworttweet: Ist das denn schlimm? Ist nicht vielmehr entscheidend, ob ich etwas tue (zB Lesen) weil es mir wichtig ist?

Es folgte – und dafür war die Frage ein sehr guter Ausgangspunkt – eine spannende Diskussion über die Definition von Hobbies, über das Verständnis und die Notwendigkeit von Erfolg, Anerkennung und Zielen und die Abgrenzung zu Begriffen wie Zeitvertreib und Interesse. Wer möchte kann die Diskussionen (es gab noch weitere) hier und hier nachlesen.

Ich nehme diese wirklich gute Diskussion nun als Ausgangspunkt für meinen Blogpost!

Was ist denn eigentlich ein Hobby?
Irgendwann im Laufe des Gespräches tauchte die Frage auf, wie man ein „Hobby“ eigentlich definiert. Ich möchte diese Frage hier an den Anfang stellen, weil das eigene Verständnis des Begriffes „Hobby“ auch viel mit den Inhalten, Anforderungen und Abgrenzungen zu tun hat.

So richtig habe ich mir – vor dem gestrigen Gespräch – nie Gedanken über die Definition des Begriffes gemacht. Für mich war es immer etwas, das mit Entspannung und Freizeit zu tun hat, etwas das ich selbst auswähle. Die Definitionen, die ich gefunden habe gehen auch in diese Richtung – spannend ist dabei die Ableitung vom englischen Wort „hobby horse“ (wieder etwas gelernt!).

Schwierig ist auch die Abgrenzung zum Begriff „Zeitvertreib“. „Zeitvertreib“ empfinde ich in einem gewissen Ausmaß als wertenden Begriff, der irgendwie leicht negativ klingt – ich denke spontan an Langeweile, Zeit totschlagen müssen und Ähnliches. Eine richtige Abgrenzung konnte ich nicht finden, interessant fand ich aber, daß als Synonym für „Hobby“ auch „liebster Zeitvertreib“ angegeben wird. Ja, das paßt schon eher.

Brauchen Hobbies ein Ziel?
Eine verstörende Frage! Ich lese viel und gerne – aber in der Regel ohne ein konkretes Ziel und ohne Gedanken an die „Einsetzbarkeit“ oder „Nützlichkeit“ einer bestimmten Lektüre. Wenn ich etwas lese, lesen möchte – dann mache ich das, weil ich neugierig bin, weil mich das Thema oder der Autor/die Autorin interessiert, weil ich mich gerne mit bestimmten Fragen beschäftige. Das unterscheidet das private Lesen (das ich als „Hobby“ oder auch als „Leidenschaft“ ansehe) vom beruflichen Lesen. Wenn ich eine rechtliche Frage prüfe, dann suche ich natürlich zielgerichtet nach bestimmten Antworten – gibt es zu einer bestimmten Situation schon ein Urteil, hat sich die Rechtslage verändert, wie groß ist das Risiko. Privat – also in meiner Freizeit – lese ich anders. Ich nutze die freie Zeit, um aus einer (ziemlich großen) Auswahl von Büchern und Zeitschriften das zu lesen, was mich gerade in dem Moment anspricht. Natürlich können dann auch Inhalte dabei sein, die beruflich interessant sind oder es später werden, das ist aber nicht mein „Leseziel“ – das ergibt sich „nebenbei“.

Aber drehen wir die Frage für einen Moment um: führt das Festlegen eines Ziels dazu, daß eine Beschäftigung kein Hobby mehr ist? Ich zögere, weil mich die „Zielorientierung“ schon stört. Natürlich kann es Hobbies geben, die (auch) mit einem „Ziel“ betrieben werden – Sport, um den Körper fit zu halten, um sich nach einem anstregenden Tag auszupowern oder um Beschwerden (z.B. Rückenschmerzen) vorzubeugen; Fremdsprachen lernen – um sich in anderen Ländern mit Menschen verständigen zu können. Was überwiegt aber? Der prüfende Blick auf das Ziel oder die Leidenschaft an der Aktivität? Das ist für mich die wesentliche Frage für meine Abgrenzung zwischen einem Hobby und anderen Aktivitäten.

Ein Ziel zu haben führt also nicht notwendigerweise dazu, daß etwas kein Hobby mehr sein kann. Das bedeutet aber noch nicht, daß ein Hobby ein (konkretes) Ziel erfordert.

Lernen oder lesen?
Vielleicht wird an dieser Frage, die sich indirekt aus unserer Diskussion ergab eigentlich klar, warum das Hobby Lesen – zumindest für mich – kein Ziel erfordert. Auf eine bestimmte Art und Weise tauchte in unserer Diskussion die Unterscheidung zwischen Lernen (Wissen aus Sachbüchern erweitern) und Lesen (Romane) auf.

Ein weiterer Tweet:
Weil Sachbücher darauf ausgerichtet sind, das Wissen zu erweitern. Romane, in Welten einzutauchen.

Eine Unterscheidung, die ich nicht teile, die aber durchaus mit der Frage nach dem Ziel zusammenhängt. Lese ich, um zu lernen oder lerne ich, weil ich lese? Der Unterschied mag auf den ersten Blick gering erscheinen, er ist aber größer als man denkt. Der für mich größte Unterschied liegt in der Auswahl der Texte, die ich lese. Wenn ich „nur“ lese, um zu lernen, dann werde ich vermutlich (wie in dem Tweet auch beschrieben) eher Texte auswählen, die zu meinem Lernziel passen. Das können thematisch passende Sachbücher sein, Fachzeitschriften oder Blogbeiträge. Natürlich ist dieses zielgerichtete Lesen nicht schlecht, ganz im Gegenteil – ich freue mich immer, wenn Menschen lesen. Aber Lesen hat für mich noch eine andere Komponente: oft finde ich beim Lesen „Dinge“, die ich gar nicht erwartet hätte und die mich zu neuen Themen, neuen Autoren/Autorinnen und auch zu neuen Büchern und Texten führen. Beim Lesen von Texten, die ich nicht „zielgerichtet“ ausgewählt habe, sondern die mir einfach „gefallen“ oder mich „interessieren“ bewege ich mich abseits meiner eigenen Erwartungen. Das Buch von Nuccio Ordine ist ein gutes Beispiel. Titel und Klappentext haben mich damals, als ich es in einer Buchhandlung gesehen und gekauft habe, angesprochen. Ich habe dort kurz in das Buch hineingeschaut, konkrete Erwartungen hatte ich aber nicht. Umso interessanter ist es nun für mich, daß dieses Buch sich sehr stark in kurzen Kapiteln mit anderen Texten auseinandersetzt. Da sind spannende Querverweise – zum Beispiel zu Shakespeares „Der Kaufmann von Venedig“, den ich demnächst sicherlich lesen werde. Ich genieße es, mich mit Fragen und Texten zu beschäftigen, die eben nicht „notwendig“ sind, die ich beruflich gerade nicht „brauche“, die mich und mein Leben aber bereichern!

Interessanterweise kann ich oft Gedanken oder Themen, die aus meinem reichhaltigen Lesefundus stammen, an anderen Stellen wieder einsetzen und mit beruflichen oder persönlichen Themen verbinden. Das ist nicht mein Ziel beim Lesen und bei der Lektüreauswahl, es ist eher ein positiver und manchmal überraschender „Nebeneffekt“. Es bleibt beim Lesen halt mehr „hängen“, als man so denkt.

Sachbuch oder Roman?
Es war eine interessante Annahme, die gestern in dem Twittergespräch indirekt zutage kam. Wir diskutierten über die Abgrenzung von „Hobby“ und „Zeitvertreib“. Dabei stellte ich die Frage, was das Lesen im Zug eigentlich ist. Antwort: Zeitvertreib. Ich fragte nach, ob das am Ort liegt und bekam die Antwort: nein, Romane lesen ist für mich grundsätzlich Zeitvertreib.

Spannend! Denn ich habe während des ganzen Twittergesprächs zu keinem Zeitpunkt geschrieben, was ich im Zug denn überhaupt lese. Die Annahme an sich (Romane) ist natürlich nicht schlimm, sie ist aber so nicht zutreffend. Wenn die Unterscheidung nach Hobby oder Zeitvertreib tatsächlich auf einem Buchtyp beruhen würde, dann wäre eigentlich die Frage „was liest Du denn im Zug?“ naheliegend gewesen.

Es ist diese Einengung auf wichtige und weniger wichtige Werke, die mich wieder an das Buch von Nuccio Ordine erinnert. Wäre es schlimm und weniger sinnvoll, wenn ich „nur“ etwas Schönes lese? Ein Gedicht, eine Novelle, einen Roman?
Es ist meines Erachtens diese Wertung nach Nutzen und Bedeutung, die Kunst und Kultur immer weiter abdrängt. Gleichzeitig glaube ich, daß wir Kunst und Kultur brauchen, um uns mit unseren Werten, unserer Geschichte und damit auch unserer Zukunft auseinanderzusetzen. Ist ein Buch über Marketing wirklich wichtiger als Der Kaufmann von Venedig? Ich finde beides wichtig und möchte diese Vielfalt und die damit verbundene Anregung auch nicht missen.

Was ist mit Erfolg und Anerkennung?
Ich bin froh, daß ich mal wieder einen längeren Blogpost geschrieben habe. Das Thema hat mich inspiriert und natürlich freue ich mich auch, wenn jemand diesen Blogpost liest – vielleicht sogar bis zum Ende. Aber dabei geht es mir nicht um Erfolg oder Anerkennung, sondern eher um das Aufnehmen oder Weiterführen eines Gesprächs und um das Festhalten meiner Gedanken. Es mag sein, daß sich niemand dafür interessiert. Dann ist das halt so. Und wenn es anders ist, dann ergeben sich daraus vielleicht gute Gespräche. Egal wie, mir ist durch das Schreiben deutlich geworden, wie meine Haltung zu diesem Thema ist.

Noch weniger passen die Begriffe von Erfolg und Anerkennung für mich auf das Lesen selbst. Quantitativ mag Lesen durchaus meßbar sein – in der Zahl der gelesenen Bücher oder gar der gelesenen Seiten. Aber was sagt das für mich wirklich aus? Bin ich „erfolgreicher“ wenn ich in diesem Jahr 10 Bücher mehr lese? Habe ich versagt, wenn es 10 Bücher weniger sind? Was ist mit dem qualitativen Aspekt? Manchmal sind es gerade Bücher mit „sperrigen“ Themen oder Fragen, die lange nachwirken, manchmal werden aus Zufallsfunden Lieblingsbücher. Ich will das nicht messen und schon gar nicht will ich messen, was ein Buch in meinem Kopf oder in meinem Herzen bewirkt.

Fazit?
Lesen ist meine Leidenschaft, mein liebster Zeitvertreib, mein Hobby und es ist ein Genuß aus einer Vielzahl vermeintlich „wichtiger“ und „unwichtiger“, „nützlicher“ oder gar „unnützer“ Werke aller Art auswählen zu können. Ich entschwinde dann mal mit einem guten Buch …….

Twittergespräch zu VDS und Überwachung

Am Freitag wurde das neue Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung beschlossen. Ein Thema, das mich durchaus aufregt und dementsprechend habe ich auf Twitter auch ein paar deutlich ablehende Tweets geschrieben.Einer dieser Tweets löste ein spannendes Gespräch aus.

Thomas Michl retweetete meinen Tweet und Detlef Kreuz antwortete mir.

Seine Antwort hatte mich für interessanterweise zwei Ebenen – eine inhaltliche Ebene, in der es um das Thema Überwachung und VDS ging und eine kommunkative Ebene, eine „Einladung“ zum Twittergespräch. Diese Einladung habe ich (wie so oft) gerne angenommen.

Ich war mir am Anfang gar nicht sicher, ob mein Gesprächspartner die Vorratsdatenspeicherung auch ablehnt oder nicht. Schnell kamen wir nämlich vom Thema Smartphone auf die Frage, ob wir Unternehmen nicht dieselben Daten zur feien Verfügung stellen. Aus meiner Sicht ein von Befürwortern der Vorratsdatenspeicherung oft genutztes Argument. Aber gerade weil da jemand Fragen stellte, die unbequem waren und weil mir jemand widersprach und meine Argumente hinterfragte, war das Gespräch gut. Ja, natürlich ist es nett, wenn jemand zustimmt. Aber wir entwickeln uns nur dann weiter, wenn wir uns selbst und unsere Überzeugungen auch immer wieder hinterfragen. Insofern war die Frage, ob meine Gesprächspartner meine Meinung zum Thema VDS teilen, gar nicht wichtig. Viel wichtiger war, daß sie sich auf ein offenes Gespräch mit mir eingelassen haben und mir dadurch auch wieder Fragen „aufgegeben“ haben, über die ich nun nachdenken muß (zum Beispiel: ist Datensammlung durch Unternehmen auch Überwachung? Wenn nein, warum nicht?).

Ein Großteil dieses Twittergesprächs läßt sich hier nachlesen.

So weit, so gut. Doch am Sonntag nahm unser Twittergespräch noch eine andere kommunikative Wendung. Ein weiterer Twitterer griff das Thema auf – Aufhänger war (soweit ich das nachvollziehen kann) der Tweet, das wir Unternehmen unsere Daten zur freien Verfügung stellen. Inhaltliche Ebene: wieder das Thema Überwachung und VDS, die kommunikative Ebene war für mich unklarer: der Beitrag „und das rechtfertigt einen Überwachungsstaat?“ ist zunächst erst einmal eine Frage. Ich hätte die „Frage“ vermutlich einfach mit einem „nein“ beantwortet. Ein Gesprächspartner von Freitag hat jedoch eher die „rhetorische Frage“ und damit die in der Frage beinhaltete „Unterstellung“ gespürt. Die „Frage“ war keine Einladung zum offenen Gespräch, sondern eher die Aufforderung sich zu erklären (zu rechtfertigen) und abzugrenzen.

Auch aus dieser Wendung (an der ich inhaltlich nicht beteiligt war) habe ich für mich eine wichtige Frage mitgenommen: können wir eigentlich noch offen mit Menschen diskutieren, die anscheinend oder tatsächlich anderer Meinung sind? Eine sehr wichtige Frage, die ich demnächst unbedingt aufgreifen muß.

Und wen es interessiert: meine Gesprächspartner am Freitag waren übrigen gegen VDS.