Twitterview – ein mutiges Experiment!

Heute wagte sich Karl-Thomas Neumann, der „Chef“ von Opel, in ein „Twitterview“ mit Spiegel Online. Eine Stunde lang stellte er sich auf Twitter unter dem Hashtag #twopel den Fragen von Spiegel Online, in geringerem Ausmaß auch den Fragen von interessierten Twitterern.

Twitterview?
Menschen, die twittern, sind oftmals auch bei der Wortfindung sehr kreativ. So hat sich der Begriff „Twitterview“ für ein über Twitter geführtes Interview entwickelt – sozusagen als Kurzform für „Twitter Interview“. Die Fragen werden allerdings nicht nur von einem Interviewer gestellt, vielmehr handelt es sich um ein „öffentliches“ Gespräch auf Twitter, an dem über den Hashtag viele Menschen aktiv und passiv teilnehmen können.

Die Rahmenbedingungen

Jedes Interview basiert auf einer Absprache: wer sind die Gesprächspartner, wo findet das Gespräch statt, werden die Fragen vorher abgestimmt, um welche Themen geht es …. Diese Absprache ist auch für ein Twitterview von Bedeutung und sollte keineswegs auf Uhrzeit und Hashtag beschränkt sein, denn hier gibt es einen „dritten“ Mitspieler – die „Twittergemeinde“.

Die Erwartungen der „Twittergemeinde“ an das Twitterview mit Karl-Thomas Neumann waren ziemlich hoch. Die meisten Twitterer gingen ganz klar davon aus, daß sich Herr Neumann gerade auch den Fragen der „normalen“ Twitterer stellt und nicht nur den Fragen von Spiegel Online. Die Ankündigung von Spiegel Online hatte ich im Vorfeld nicht gelesen, sie liest sich jedoch so, als ob nur eine direkte Interaktion zwischen Herrn Neumann und Spiegel Online geplant war, eine Moderation von „Leserfragen“ sollte wohl über Spiegel Online erfolgen.

Und genau hier wurde es schwierig: viele Menschen stellten über Twitter interssante Fragen. Doch diese Fragen wurden weder von Herrn Neumann noch von Spiegel Online aufgegriffen. Schnell machte sich Enttäuschung über das Format bzw. die (fehlende) Reaktion von Herrn Neumann breit (zum Beispiel hier und hier.

Auch das Storify von Spiegel Online enthält – obwohl ich viele Tweets mit dem Hashtag #twopel gesehen habe, nur die Tweets (bzw. Retweets) von Spiegel Online und von Herrn Neumann.

Lerneffekt?
Ich war zunächst auch überrascht, daß die „Publikumsfragen“ im Twitterview kaum zum Tragen kamen. Spiegel Online hat anscheinend gerade einmal drei Tweets retweetet. Das ist natürlich zu wenig, um den aktiven Twitterern das Gefühl einer Gesprächsbeteiligung zu geben. Trotzdem finde ich es gut, daß Herr Neumann dieses Experiment gewagt hat. Nur dann, wenn wir etwas ausprobieren, können wir auch lernen.

Aber was ist für mich der Lerneffekt:
– Ich wünsche mir klar kommunizierte Rahmenbedingungen, die gerade am Anfang auch noch einmal per Twitter mitgeteilt werden.
– Ich wünsche mir von Seiten der Interviewer mehr Interesse an den Publikumsfragen.
– Hilfreich wäre es auch gewesen, wenn jemand vom Interviewer-Team auf den „Unmut“ der Twitterer reagiert hätte (Beispiel: danke für die vielen tollen Fragen, wir werden gleich ein paar davon aufgreifen).
– Ich wünsche mir aber auch von den mitlesenden Twitterern einen freundlichen und wohlwollenden Umgang mit Twitterview-Gesprächspartnern. Das Format des Twitterviews ist noch nicht sehr alt und wir alle müssen erst lernen, wie wir damit umgehen. Auch wenn ich die Enttäuschung in einem gewissen Ausmaß verstehen kann, so sollten wir doch alle etwas ausprobieren können und nicht sofort „Perfektion“ einfordern.

Mich persönlich würde sehr interessieren, wie Herr Neumann das Twitterview erlebt hat. Ich habe ihm über Twitter diese Frage gestellt, leider habe ich noch keine Antwort erhalten.

Das Format „Twitterview“ an sich finde ich einerseits spannend, andererseits aber auch ziemlich anspruchsvoll. Gerade bei bekannten Gesprächspartnern dürfte es schwierig sein, Gesprächsfäden über den Hashtag im Blick zu halten. Hier wäre wahrscheinlich eine begleitende Unterstützung notwendig, die Fragen aufgreift, sammelt oder angemessen auf Tweets reagiert.

2 Gedanken zu „Twitterview – ein mutiges Experiment!“

  1. Zu erwähnen wäre auch noch der Schlußsatz von Herrn Neumann:

    @Spiegel_Auto Danke für das spannende #twitterview. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht! Mehr Fragen beantworte ich in Kürze unter #askKTN

    Er ist also bereit, weitere Fragen zu beantworten. Ich folge seinen Tweets quasi schon von Beginn an und er antwortet wirklich!

    Prima Blogpost

    Liebe Grüße aus Hessen, Jörg

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